Verrücktheit Leben
Ich habe schon als Kind gedacht, dass ich anders bin und es alles bei mir schwieriger wird als bei den anderen. Woher hatte ich diese Schlussfolgerungen? Eine Ahnung. Welche Menschen um mich herum entsprachen der gesellschaftlichen Norm und zeigten mir, dass ich anders war?
Je mehr ich versuchte, mich der Gesellschaft anzupassen, mir von anderen sagen ließ, was man zu machen hat, wie man was sagt oder tut, desto deprimierter wurde ich.
Es gab Momente für mich, da war ich richtig glücklich. Zu glücklich für die Gesellschaft? Darf ich so glücklich sein? Das kommt zudem auch nicht gut an. War ich Manisch depressiv? Immer diese Kategorisierung.
Im Laufe meines Lebens kam ich immer mehr darauf, dass ich mit den Menschen, die mich und andere nicht bewerten und einfach das tun, was Ihnen Spaß macht, am wohlsten fühle. Ich kann dann meine Gegenwart vollkommen genießen und erlebe die Gegenwart viel intensiver. In diesen Momenten wachse ich über mich hinaus.
Ein gewisses Gefühl des „nie angepasst seins“. Wo gesellschaftliche Normen keine Rolle spielen. Wo man einfach mal Ja sagt – zu allem. Aus Neugier. Aus Lust am Leben, wie Iggy Pop schon sagte. The lust for life.
Das beinhaltet halt auch das experimentieren mit Sex und Drogen. Die großen, bösen Zeigefinger-zeigenden Sünden von denen niemand spricht. Na und? Hatte ich halt mal bei Orgien mitgemacht. Experimentieren und Spaß haben. Dazu sind wir jung! Alles scheint sexualisiert – aber darüber reden gleicht Prüderie. In der Zeit der Selbstverwirklichung wird Sexualität noch immer Kategorisiert. Der eine Schwul, der andere Hetero… und Anal und Vagina „sagt man nicht“…
Aber definieren wir nicht alle unsere Sexualität selber? Sollte es nicht zumindest so sein? Leider war ich manchmal leichtsinnig, und hatte auch einmal richtig Pech. Kein Kondom. Jetzt trage ich die Konsequenz. Aber damit lässt es sich auch leben. Sofern man den Tatsachen ins Auge sieht und sich nichts vormacht.
Ich stehe zu meinen eigenen Entscheidungen von damals.
Ich bin sicher kein „armes Opfer der Gesellschaft“ – die soll mal nicht so scheinheilig tun. Soll ich mich schlecht fühlen, weil ich den Mut hatte zu leben und neues auszuprobieren? Weil ich mich nicht in eine Kategorie stecken hab lassen? Nein. Was kann ich daraus machen?
Ich definiere mich nicht mit HIV – weshalb Selbsthilfegruppen nie etwas für mich waren. Ich definiere mich mit mir selber, und stehe zu meinen Entscheidungen. Ich zeige keine Finger; trotzdem will ich mich informieren und austauschen. Ich werde meinen Visionen, Träumen und Plänen weiter nachgehen und mich nicht aufhalten lassen. Was ist alles noch möglich? Wie kann es noch besser werden?
Wenn es vielleicht Euch so geht wie mir, schreiben Sie uns.