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      Interagiert Tryptophan mit HIV-Medikamenten?

      Ist Tryptophan zum Einschlafen besonders im Winter gegen Depressionen zur Unterstützung von Antidepressiva geeignet?

       

      Tryptophan ist der Vorläufer von Serotonin. Unter Tryptophan-Gabe wird verstärkt Serotonin freigesetzt, was angstlösend und antidepressiv wirkt. Das ist der Effekt, der gewünscht ist und der auch unter Antidepressiva eintritt.. Da Tryptophan und viele Antidepressiva wirken damit ähnlich. Sie addieren sich in Ihren Effekten.
      Befindet sich zu viel Serotonin im Körper, kann es zum Serotonin-Syndrom kommen. Es ist in der Regel die Folge einer stark erhöhten Serotoninaktivität, die sich in Ruhelosigkeit, rasche unwillkürliche Muskelzuckungen, gesteigerte Reflexbereitschaft, Schwitzen, Schüttelfrost und Tremor zeigen. In vielen Fällen bilden sich die Symptome innerhalb von wenigen Stunden wieder vollständig zurück.

      Unter einer Standard-Dosis eines SSRI, einem antriebssteigernden Antidepressiva und einer Tryptophan-Einzelgaben von weniger als 1 g  pro Tag zeigte sich kein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines Serotonin-Syndroms. Für eine Anwendungsdauer über 8 Wochen hinaus liegen keine Daten vor, so dass eine Langzeitanwendung von SSRI mit Tryptophan derzeit nicht empfohlen wird.

      Überdosierung Tryptophan

      Vorsicht ist geboten, wenn hohe Dosen eines SSRI (z.B. mehr als 20 mg Fluoxetin pro Tag) mit Tryptophan angewendet werden. Unter diesen Bedingungen wurden Serotonin-Syndrome beobachtet (Steiner et al. 1986). Bei Behandlung mit einem Antidepressivum, das über die in der Gebrauchsinformation aufgeführte Standard-Dosis hinausgeht, sollte keine Supplementation mit L-Tryptophan erfolgen.  

      Langzeitnebenwirkung Tryptophan

      Als Folge einer langfristigen Einnahme von Tryptophan mit Stimulierung der zentralen Serotonin-Synthese kann ein relativer Dopaminmangel auftreten. Dieser Mangel ist mit einer eigenen Vorstufe, dem Tyrosin oder direkt dem L-Dopa, entgegenzuwirken. Da sich die Dopamin- und Serotoninsynthese gegenseitig beeinflussen, ist eine gleichzeitig Gabe von Tyrosin bzw. L-Dopa mit Tryptophan zu vermeiden. Eine sequenzielle Gabe ermöglicht die Korrektur des relativen Dopaminmangel.

      Dosierung der Tryptophan Präparate:

      Die Standartdosis pro Tablette sind 500 mg. Die Präparate sind zugelassen zur Förderung der Schlafbereitschaft und zum Erleichtern des Einschlafen bei Schlafstörungen. Bei Schlafstörungen sollte mit 1 g begonnen werden (2 Tabletten täglich) und kann auf 2 g (4 Tabletten) bei Bedarf unter ärztlicher Aufsicht erhöht werden. Die Einnahme sollte 20-30 Minuten vor dem Schlafengehen erfolgen.

      Interaktionen mit den HIV-Medikamenten werden nicht erwartet.

      Quelle:

      1. Levitan RD, Shen JH, Jindal R, Driver HS, Kennedy SH, Shapiro CM. Preliminary randomized double-blind placebo-controlled trial of tryptophan combined with fluoxetine to treat major depressive disorder: antidepressant and hypnotic effects. J Psychiatry Neurosci. 2000 Sep;25(4):337-46.
      2. Brigitte M. Gensthaler, Kerstin A. Gräfe und Sven Siebenand.Crizotinib, Decitabin und Tianeptin.Pharmazeutische Zeitung online. 49/2012.
      3. Steiner W, Fontaine R. Toxic reaction following the combined administration of fluoxetine and L-tryptophan: five case reports. Biol Psychiatry. 1986;21(11):1067-71.